Herbst-Lied

by Simon Dach

Jetzund heben waldt und feldt Wieder an zu klagen, Denn es wil die grimme kält' Alle lust verjagen; Boreas pfeifft, saust und ruft Hin und wieder in der lufft, Fellet alle blätter Durch sein strenges wetter. O, wie wol pflag mir zu sein, Wann mich bey den bronnen Venus deckte vor dem schein Und dem feur der sonnen, Wenn ich alles kummers loß Lag in ihrer zarten schoß, Wann ich alles tichten Pflag auff sie zu richten. Manchen schönen verß hat sie Selbst mir vorgeschrieben, Amor hat mit mir alhie Offt die zeit vertrieben; Er warff seinen köcher hin Sampt dem bogen in das grün Und saß bey mir nieder, Hörte meine lieder. Ich sang, wie vor seiner list Jedes muß erliegen, Wie sein reich und himmel ist Über alles siegen; Venus sagt', Adonis pein Solte mein getichte sein, Dem sie sich ergeben, Eh' er kam umbs leben. Ich empfing davor von ihr Einen krantz von myrten, Hiedurch brach mein lob herfür Unter allen hirten; Amor aber vor sein theil Drückt‘ in mich ein scharffes pfeil, Dessen ich noch schmertzen Fühl‘ in meinem hertzen. Galathee, du preiß und ehr Aller schäfferinnen, Dich must' ich je mehr und mehr Damals lieb gewinnen! Ach, wie manche lange nacht Hab' ich schlaffloß hingebracht, Und dir, o mein leben, Mich zu dienst‘ ergeben. Meiner herde hab ich nie Wegen dein geachtet, Und nur dir mit höchster müh' Immer nachgetrachtet, Ja, es steht anjetzt noch kaum In dem wald ein einig baum, Da nicht ist beschrieben, Wie ich pflag zu lieben, Biß sich Venus mir versprach Hülffe zu gewehren; So genaß ich allgemach. Meiner augen zehren Wusch sie ab mit eigner hand Und verleschte meinen brand, Heilte meine wunden, Die ich hatt' empfunden. Sonsten war mein auffenthalt Nirgends nicht zu finden, Als nur durch den grünen waldt Bey den hohen linden; Ein schön quell, ein frisches graß Liebet' ich ohn unterlaß, Da ich dan gesungen, Daß die bäum' erklungen. Aber nun der nordenwindt Alles hin wil reissen Und mit schnee und frost beginnt Umb sich her zu schmeissen, Muß in höchster traurigkeit Ich verbringen meine zeit, Weit von solchem leben, Das uns wälder geben. Doch, Atmithas, wer, wie du Sich so wol versehen, Und ergreifft die süsse ruh, Der lest immer wehen Alles wetter zu ihm ein, Nichts mag ihm beschwerlich sein, Mitten in den winden Kan er ruhe finden. Darumb muß dich jederman Für glückselig halten; Wer so liebt, derselbe kan Kaum im tod' erkalten. Rechte treue liebe macht Hitz' aus kälte, tag aus nacht, Kehret alles leiden In gewünschte freuden. (S. 411-414)

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