Hochzeit-Lied

by Simon Dach

Lachen jetzt der sonnen wangen Durch die lufft uns freundlich zu, Liegt des westes sturm gefangen, Ist die stoltze see in ruh, Zeigen sich die felder gütig, Stehn die saaten übermütig, Dencket, ob es lang auch hin, Daß die zier der lufft und erden Soll nur leid und grauen werden Durch des herbstes eigen-sinn. Warumb sol man nun verseumen, Was die liebe zeit uns gönnt? Trollt euch, die ihr nichts als träumen, Nichts als sauer sehen könnt. Laß uns wo in einem garten Unsers frischen leibes warten, Oder umb der bäche randt In ein weiches graß uns strecken, Wo die rosen uns bedecken Für der heissen sonnen brandt. Jungen, gebt das flaschenfutter! Ey, nicht dieses, dort den wein! Sagt bey leibe nicht der mutter, Daß wir jetzund frölich seyn. Weht, ihr winde, weht und kühlet, Ihr, schertzhaffte quellen, spielet, Klunckert hin auff euren zweck, Keine rückfahrt könnt ihr halten, Wenn auch wir einmahl erkalten, Sind und bleiben wir schon weg. Komm, du meiner seele leben, Du mein trost, den Gott mir schenckt! Komm, du kannst vollauff mir geben Alles, was mein hertz gedenckt. Weil wir ja denn mit den jahren Zu dem tode müssen fahren, Laß es immerhin geschehn, Wenn wir uns und unsern nahmen In gewünschtem heyraths-samen Nur zuvor erstattet sehn. (S. 421-422)

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