176.

by Simon Dach

Hie habt ihr, ihr jungfrauen, Was ohne schein und list Recht wehrt an euch zu schauen Und höchst zu lieben ist. Ihr mögt durch schöne jugend Gefallen, wem ihr wolt, Der keuschheit güldnen tugend Sind Gott und menschen hold. Ihr lob kan fest bestehen Und hält beharrlich fuß, Wenn aller pracht vergehen Und flüchtig werden muß. Der wangen farb und leben Wird außgestrichen seyn, Wenn ehr und zucht wird geben Den allerbesten schein. Legt hie an diese waare, Die nicht verderben kan, Das theure gold der jahre, Die zarte jugend an! Seht, daß ihre eure seele Mit ihren farben mahlt, Durch die des leibes höle Wird sonnen-klahr bestrahlt. Wisst ihr heraußzustreichen Den leib, den erde trägt, So werd' auch schmuck imgleichen Dem hertzen angelegt; Lasst nicht den sack der motten, Die haut und das gebein, Das endlich muß verrotten, Mehr als die seele sein! (S. 422-423)

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