Gebet an die Sonne von Gibeon
Sonne, immer du noch purpurnen Abschied nimmst, immer doch unbeirrt, immer den Erdentag segnend, der ins Gesicht dir in Finsternis prahlt — wieder vorbei dem Menschenkreis.
je verborgener den vom Dunkel Verblendeten als dein flammendes Meer, das den Abend umarmt wie ein brennendes Gottesherz. Sonne, dankloser dir, dunkler sich selbst verbleibt
nicht die Weisheit des Thiers — wahllose Geberin, nur du, Sonne du, weißt es nicht! Sieh diese Kugel aus Kot, die einst der Teufel warf in die Planetenbahn, wie sie sich um sich dreht,
Spielball eigener Eitelkeit. Oder aus Raum und Zeit sprang dieser Wechselbalg, wähnt sich selbst eine Welt, wähnt, daß die Welten nur seine Trabanten sind — doch für den Sternenlauf
Daß du noch Farben hast, Sonne, ob solchem Grab aller Liebe, die je kosmischer Geist vergab! Daß du noch prangen kannst vor der Armseligkeit — Wunder dieser Entgötterung!
für einen Silberling ist eine Andacht feil. Daß vor höchstem Gericht du ihres dunkeln Sinns zeugtest, fürchtet die Erde nicht. Liehe die ewige Nacht ihr eine Aussicht nur
gingst du auf immer dahin, keine Thräne dir nach flöß’ aus erloschenem Menschenaug. Welcher Sinn denn befiehlt irdischen Lebens Gang? Nicht in Athem und Dank an Gott, daß er Athem gab,
endlich schuldig nur an sich selbst. Gibt es der Götter noch, denen das All sich beugt: blieb der Bezirk, worin Wahn mit der Gier regiert, blieb die Stätte, worauf Menschliches irregeht,
Heil dir, o Israel! wer ist wie du, vor ihm, der deiner Hilfe Schild und deines Sieges Schwert? Siehe, es schmeicheln dir deine Feinde, o Volk, aber du trittst auf ihre Höhn!
fürchtest du Gott allein, aber sonst nichts in der Welt: durch alle Wässer gehst trockenen Fußes durch, immer den Kopf zum Ziel gewandt. [64] Durch die Schärfe des Schwerts schlugst du sie, immer sind
Und es fielen vom Himmel große Steine auf sie. Denn der Herr stritt für Israel. Sie zu vertilgen gab er sie in Israels Hand, daß es setzte den Fuß auf der Könige Hals;
gottverschworener Rache preis. Und so wird es der Herr all ihren Feinden thun, denn er stritt wider sie, stritt nur für Israel. Denn ihr Herz war verstockt, daß sie sich weigerten,
Nicht Weib noch Mann entrann, nicht Kind und Greis dem Schwert, verschont nur ward und geehrt, wer den Verrath ersann, und alles Silber und Gold und alles Geräth aus Erz legten sie zu dem Schatz des Herrn.
Denn sie fürchteten sich. Nicht erwürgt wurden sie, nur verflucht wurden sie, ewig Sklaven zu sein für die Gemeine Israels. Weil sie schlossen den Bund, wurden sie nur bestimmt,
für die Gemeine und auch für den Altar des Herrn, desselbigen Tags bis auf diesen Tag. [65] Doch der Geschlechter Geschlacht nichts Lebendiges ließ, und so plünderten sie alle Beute für sich.
vor ihm keiner und nach ihm nicht. Denn zur Feier des Siegs am Himmel ein Wunder war und die Sonne blieb stehn, die Sonne zu Gibeon, und auch der Mond im Thal stand stille zu Ajalon.
Mitten am Himmel stand, wie es geboten war, beinah sie den ganzen Tag, nicht eilte sie unterzugehn, bis das Volk sich gerächt an seinen Feinden. Dies im Buch des Frommen geschrieben steht.
der Zerstörung nicht ruht, hieß sie vollenden, bis sie der besiegten Welt den Fuß auf den Nacken gesetzt und ein Geschrei erheben gedurft. Denn es ward ihnen gesagt, nicht zu erheben so lang
dieses hielten sie ein, dann aber gingen sie hin, Geschrei zu erheben wie ihnen gesagt. Wie das Geschrei nun erscholl, da fiel die Mauer ein, und wie das Volk es sah, daß da die Mauer fiel
herzufallen über die Stadt sogleich. [66] Völker, die es gehört, wurden hörig dem Volk; alle schrieen wie es, alles ward Israel. Alle Sprachen durchdrang einzig die Melodie,
Und sein Wechsel verlangt anderen Wechsel auch — Schwarz von Tinte der Tag, rot vom Blute die Nacht! Aber welche es sei: Fluth, die im Wechsel wuchs: Israel ging trocken durch.
mischt das Blut mit dem Meer, immer noch mehr und mehr — Rache, der Raubfisch, steigt, Drache, hoch in die Luft, daß sie Freistatt des Mordes sei! Näher, mein Gott, zu dir! Näher der Sonne zu!
Leuchtest wieder und lachst? Hingang und Wiederkehr bleibt die Uhr dieses Menschentags? Wirft diese Erdenschmach keinen Schatten auf dich? Sonne, quält es dich nicht, wenn du im Mittag stehst,
wo die Hyäne Mahlzeit hält? Lasse stehen die Zeit! Sonne, vollende du! Mache das Ende groß! Künde die Ewigkeit! Recke dich drohend auf, Donner dröhne dein Licht,
[67] Goldene Glocke du, schmilz in eigener Gluth, werde Kanone du gegen den kosmischen Feind! Schieß ihm den Brand ins Gesicht! Wäre mir Josuas Macht, wisse, wieder wär’ Gibeon!
bis sich das Licht gerächt an dem dunkeln Geschlecht, und deine blutige Pracht trockne sein elendes Blut gottverschworener Rache gemäß! Keiner von ihnen soll vor dir bestehn, und du
brenne, leuchte herab, lache Sonne, daß du es nun doch an den Tag gebracht! Aber ein Wunder hier thu auch an Pflanze und Thier. Flamme des Menschentods sei ihnen Wärme nur.
rauchgeborenem Leben war. Allem Erschöpften gib Farbe und Lust zurück. Laß den Menschen jedoch, Henker an allem was mit der Natur verwandt, laß die Maschingeburt
Und das Thier, das er trieb, seine Ware zu ziehn und in den Kampf zu ziehn um seiner Ware Heil — labe es, wenn du statt Strahlen doch Blitze hast, zu vertilgen den Seelenfeind.
und du dem Blutgeschäft unendlichen Sieg entreißt — von deiner Glorie schweigt irdischer Lobgesang, weil sie den Schmeichler hinweggerafft. Aber es rauschen dir erwachende Sphären. Dank
Welch einen Wandel führst du den Sternen herauf! Staunend erkennt die Schönheit sich. Es wird ein Sonntag sein. Götter kommen zum Fest. Ursprungs eilen herbei Geister, ledig der Zeit.
sonnt sich, der dich geschaffen hat. Und die Liebe um dich höret nun nimmer auf, und die Musik im All schallt deiner Herrlichkeit, und dein erhabener Glanz ist ohnegleichen heut,