Furcht

by Karl Kraus

Vor Tönen, Formen, halb erwachten Träumen wird mir im innern Herzen bang. Ich lebe in dem Untergang und wohne in bedrohten Räumen.

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Nicht fürcht’ ich mich vor irdischen Gewittern

und bin für jeden Donner taub. Doch zittert wo ein Espenlaub, so werde ich mit ihm erzittern. [52] Ich wahre vor Gefahren nicht mein Leben

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und spotte ihrer Gegenwart.

Doch wenn es an den Wänden knarrt, so kann ich wie ein Kind erbeben. Ich fliehe nicht vor Räubern oder Recken und spreche den Gewalten Hohn.

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Doch kann vor einem Menschenton

ich wie am jüngsten Tag erschrecken. Mich faßt so bald kein ängstevolles Zaudern und hab’ der Feinde nie zu viel. Jedoch vor einem Mienenspiel

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wird’s mich wie vor der Hölle schaudern.

Und solche Furcht erregt in mir den Dichter und ich erfülle die Figur und brauche etwas Asche nur für die lebendigsten Gesichter.

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Und so erwachse ich im Widerstreiten,

und seit ich so den Mut verlor, gewannen Auge mir und Ohr die Herrschaft in zerfallnen Zeiten.

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