Erscheinung

by Otto Ernst

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Erscheinung.

Eine düst’re Wolke seh’ ich schwimmen Durch den abendlichen Himmelsraum. Nur um ihres Scheitels Zacken glimmen Zarte Lichter wie ein Flockensaum.

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Gleichwie starrgewalt’ge Bergesschroffen

Ragt die Wolke hoch in den Azur. Doch um ihre Stirne lichtgetroffen Hängt des Alpenglühens Rosenflur. Denn verborgen hinter jener Mauer

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Strömt der Gnadenquell des Sonnenlichts,

Und die Wolke, uns ein Bild der Trauer, Blickt nach dort verklärten Angesichts. Also sah ich düst’re Menschenstirnen In den Grenzen dieser Erde auch:

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Sie umfloß wie Glanz der Alpenfirnen

Eines fremden Lichtes leiser Hauch. Augen sah ich, die dem Hier entrinnen, Das mit Tränenschatten sie umhüllt; Doch versunken war ihr Blick nach innen

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Und von dort mit sel’gem Glanz erfüllt. –

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