Eine schimmernde Atlasfläche

by Marie Eugenie Delle Grazie

[79]  1. Eine schimmernde Atlasfläche, liegt Im Mittagssonnenbrande das Meer – Hier – dort und fernhin tanzt Auf schäumenden Wogenkämmen

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Verstreuter Lichtfunken blitzende Goldsaat,

Und in den Malachitglanz Der schaukelnden Fluthen taucht, Eine badende Schönheit, das Lichtbild Neapels! Wie dehnt und streckt

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Und wiegt sie die blendenden Glieder,

Die Zauberin! Wie lacht es mit tausend Stimmen Syrenenhaft-koquett aus ihrer Brust! Verdrossen und zürnend lauert Zu ihr herüber der finstere Vesuv:

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Wie lang’ ach! und gern’ schon hätt’ er

In brünstiger Liebestollheit Den Schooß der Holden umarmt, Wie lang ach! und gern’ schon Bewältigt ihre süße, feucht-frohe Schönheit!

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[80] Umsonst! Festschmiedete ihn

Ein grausam Geschick, und aus Der Ferne nur darf er genießen, Wonach ihm fiebernde Gier Den Leib durchschauert....

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                              Sie aber –

Sie jauchzt! Sie buhlt mit dem Himmel Und kost mit dem Meer, Und ihre Kinder klettern

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An seinen Lenden empor

Und schau’n ihm in’s Herz, In’s heiße, lava-blutende, Und lachen seiner verschwendeten Gluthen Mit ihrem Lachen: dem sonnig-hellen,

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          Dem meergott-heit’ren Lachen Neapels!

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