Eine Bitte

by Alberta von Puttkamer


Es ruft mich aus der Herbstesnacht ein Ton,
Die Sterne flammen, Gärten leuchten weit —
Mein Schlaf ging fort, — und auf den Kissen breit
Zerrissen liegt der Kranz von dunklem Mohn ...

Wer weckt so früh mich? kommt der Morgen schon?
— Da trittst du her in einem Schattenkleid.
Dein Blick ist tief von einem heilgen Leid —
Du bist so licht, — kommst du von einem Thron?

Da ists, als ob ich Tränenworte höre:
"Sei mir nicht bös, daß ich dein Schlafen störe!
Petrus entriegelt mir kein Paradies —

Gib mir mein Herz! ich friere bei den Schatten, —
Denn irren muß ich auf den Totenmatten,
Weil ich mein Herz auf Erden bei dir ließ!" ...

aus: Alberta von Puttkamer – Jenseit des Lärms. Dichtungen
Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig, 1904 (S. 159)

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