Ein Weib

by Heinrich Heine

Sie hatten sich beide so herzlich lieb, Spitzbübin war sie, er war ein Dieb. Wenn er Schelmenstreiche machte, Sie warf sich auf’s Bett und lachte.

5
Der Tag verging in Freud und Lust,

Des Nachts lag sie an seiner Brust. Als man in’s Gefängniß ihn brachte, Sie stand am Fenster und lachte. Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,

10
Ich sehne mich so sehr nach dir,

Ich rufe nach dir, ich schmachte – Sie schüttelt’ das Haupt und lachte.

[166]
Um sechse des Morgens ward er gehenkt,

Um sieben ward er in’s Grab gesenkt;

15
Sie aber schon um achte

Trank rothen Wein und lachte.

More poems by Heinrich Heine

All poems by Heinrich Heine →