Ein Doge

by Rainer Maria Rilke

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EIN DOGE

Fremde Gesandte sahen, wie sie geizten mit ihm, und allem, was er tat; während sie ihn zu seiner Größe reizten, umstellten sie das goldene Dogat

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mit Spähern und Beschränkern immer mehr,

bange, daß nicht die Macht sie überfällt, die sie in ihm (so wie man Löwen hält) vorsichtig nährten. Aber er, im Schutze seiner halbverhängten Sinne,

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ward dessen nicht gewahr und hielt nicht inne,

größer zu werden. Was die Signorie in seinem Innern zu bezwingen glaubte, bezwang er selbst. In seinem greisen Haupte war es besiegt. Sein Antlitz zeigte wie.

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