An eben Selbige/ als er scheiden solte

by David Schirmer

XXI.

Rosilis/ was fang ich an?
Mein Verhängnis will mich fassen/
ich soll forthin/ weil ich kan/
Deiner Augen Anblick hassen.
Ach! wie werd ich oft mit Thränen
deiner keuschen Liebe Ziel/
das besüste Lippen-Spiel/
der Gedancken-Sorg entlehnen!

Rosilis/ mein Hertz ist wund/
das mit Blut und Feuer rinnet.
Solte nur dein rother Mund
mir noch länger seyn vergünnet.
Ach! wie solt das Gold der Stralen
dich und deiner Trefflichkeit/
nach dem Rest der jungen Zeit/
mit vergöldtem Silber mahlen!

Rosilis/ das kräncket mich/
daß ich nun in Furcht muß leben/
und stets dencken/ ob du dich
einem andern hin wirst geben.
Laß mir zu/ daß ich voll Klagen
von dir einen theuern Eyd/
nur ümb die Beständigkeit/
mit mir mag von hinnen tragen.

Rosilis/ ich will dafür
meine Treue dir verbinden.
Muß ich ietzund gleich von hier/
bleibt dir doch mein Hertz dahinden.
Nim die Zähren/ so verflossen/
als ein ewig Denckmal an.
Was ich niemahls mir gethan/
das wird ietzund dir vergossen.

Rosilis/ nun ist es Zeit/
daß ich dir den Leib entwende.
Mein Mund küsset allbereit
deinen zarten Schnee der Hände.
Lebe wohl/ und laß mich bleiben
den du dir erwehlet hast.
Ich weiß unser Joch und Last
allen Cedern einzuschreiben.

Rosilis/ ietzt geht es fort/
dencke meiner stets im besten.
Ich will dir von meinem Ort
senden zu den süssen Westen/
der soll dich und mich erquicken
Rosilis/ gehab dich wohl!
Ich muß fort/ biß daß ich soll
mein Verhängnüs unterdrücken. (S. 42-44)
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