In Dubiis

by Rainer Maria Rilke

[42] IN DUBIIS I Es dringt kein Laut bis her zu mir von der Nationen wildem Streite, ich stehe ja auf keiner Seite; denn Recht ist weder dort noch hier.

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Und weil ich nie Horaz vergaß,

bleib gut ich aller Welt und halte mich unverbrüchlich an die alte aurea mediocritas. II DER erscheint mir als der Größte,

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der zu keiner Fahne schwört,

und, weil er vom Teil sich löste, nun der ganzen Welt gehört. Ist sein Heim die Welt; es mißt ihm doch nicht klein der Heimat Hort;

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[43] denn das Vaterland, es ist ihm

dann sein Haus im Heimatsort.

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