Donna Clara

by Heinrich Heine

     In dem abendlichen Garten Wandelt des Alkaden Tochter; Pauken- und Trommetenjubel Klingt herunter von dem Schlosse.

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     „Lästig werden mir die Tänze

Und die süßen Schmeichelworte, Und die Ritter, die so zierlich Mich vergleichen mit der Sonne.      „Ueberlästig wird mir Alles,

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Seit ich sah, bei’m Strahl des Mondes,

Jenen Ritter, dessen Laute Nächtens mich an’s Fenster lockte.      „Wie er stand so schlank und muthig, Und die Augen leuchtend schossen

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Aus dem edelblassen Antlitz,

Glich er wahrlich Sanct Georgen.“        [268] Also dachte Donna Clara, Und sie schaute auf den Boden; Wie sie aufblickt, steht der schöne,

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Unbekannte Ritter vor ihr.

     Händedrückend, liebeflüsternd, Wandeln sie umher im Mondschein, Und der Zephyr schmeichelt freundlich, Mährchenartig grüßen Rosen.

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     Mährchenartig grüßen Rosen,

Und sie glüh’n wie Liebesboten. Aber sage mir, Geliebte, Warum du so plötzlich roth wirst?      „Mücken stachen mich, Geliebter,

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Und die Mücken sind, im Sommer,

Mir so tief verhaßt, als wären’s Langenas’ge Judenrotten.“      Laß die Mücken und die Juden, Spricht der Ritter, freundlich kosend.

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Von den Mandelbäumen fallen

Tausend weiße Blüthenflocken.      [269] Tausend weiße Blüthenflocken Haben ihren Duft ergossen. Aber sage mir, Geliebte,

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Ist dein Herz mir ganz gewogen?

     „Ja, ich liebe dich, Geliebter, Bei dem Heiland sey’s geschworen, Den die gottverfluchten Juden Boshaft tückisch einst ermordet.“

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     Laß den Heiland und die Juden,

Spricht der Ritter, freundlich kosend. In der Ferne schwanken traumhaft Weiße Liljen, lichtumflossen.      Weiße Liljen, lichtumflossen,

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Blicken nach den Sternen droben.

Aber sage mir, Geliebte, Hast du auch nicht falsch geschworen.      „Falsch ist nicht in mir, Geliebter, Wie in meiner Brust kein Tropfen

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Blut ist von dem Blut der Mohren

Und des schmutz’gen Judenvolkes.“      [270] Laß die Mohren und die Juden Spricht der Ritter, freundlich kosend; Und nach einer Myrthenlaube

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Führt er die Alkadentochter.

     Wie mit weichen Liebesnetzen Hat er heimlich sie umflochten; Kurze Worte, lange Küsse, Und die Herzen überflossen.

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     Und ein schmelzend süßes Brautlied

Singt im Laub’ ein Zaubervogel; Wie zum Fackeltanze hüpfen Feuerwürmchen auf dem Boden.      In der Laube wird es stiller,

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Und es schweigen die Verborgnen;

Nur die heimlich klugen Myrthen Hört man flüstern, wie verstohlen.      Aber Pauken und Trommeten Schallen plötzlich aus dem Schlosse,

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Und erwachend hat sich Clara

Aus des Ritters Arm gezogen.      [271] „Horch! da ruft es mich, Geliebter, Doch, bevor wir scheiden, sollst du Nennen deinen lieben Namen,

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Den du mir so lang verborgen.“

     Und der Ritter, heiter lächelnd, Küßt die Finger seiner Holden, Küßt die Lippen und die Stirne, Und er spricht die langen Worte:

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     „Ich, Sennora, Eu’r Geliebter,

Bin der Sohn des vielbelobten, Großen, schriftgelehrten Rabbi Israel von Saragossa.“

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