Die verschneite Bank

Da steht die Bank, rings eingeschneit,
Auf der so gern wir saßen,
Wann wir im Traum der Jugendzeit
Die Welt umher vergaßen.

Und doch, wie licht und lockend lag
Sie damals uns zu Füßen -
O könnt' ich sie nur einen Tag
So wiederum begrüßen!

Ja, als die Herzen uns geglüht,
Da war es schön und wonnig,
Und wann der Frühling uns umblüht,
Da war es doppelt sonnig.

Doch heute kann ich nicht so sehr
Dem Winter es verargen,
Daß er mich will nicht dulden mehr,
Wo wir im Glück uns bargen.

Collection: 
1909

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