Die verschneite Bank

by Martin Greif (1839–1911) · 1909 German

Da steht die Bank, rings eingeschneit,
Auf der so gern wir saßen,
Wann wir im Traum der Jugendzeit
Die Welt umher vergaßen.

Und doch, wie licht und lockend lag
Sie damals uns zu Füßen -
O könnt' ich sie nur einen Tag
So wiederum begrüßen!

Ja, als die Herzen uns geglüht,
Da war es schön und wonnig,
Und wann der Frühling uns umblüht,
Da war es doppelt sonnig.

Doch heute kann ich nicht so sehr
Dem Winter es verargen,
Daß er mich will nicht dulden mehr,
Wo wir im Glück uns bargen. (S. 15-16)
_____

More poems by Martin Greif

  • Abendgesichte

    Geh' ich abends still im Tale,
    Spricht zu mir dein milder Geist,
    Der mein Herz mit einem Male …
  • Am Brunnen

    Unter einem grünen Baum
    Hatt' ich einen schönen Traum
    Wohl bei einem rauschenden Brunnen. …
  • Am Oleanderbaum

    Es blüht vor einem stillen Haus
    Ein rosenroter Oleander -
    Dort, wann ich abends trat heraus, …
  • April

    Sonnengrüße, Wolkenschauer
    Und, noch eh' sich's klären will,
    Wiederum verhangne Trauer - …

All poems by Martin Greif →