Die Schlittenfahrt
[265] Die Schlittenfahrt. Am warmen Ofen saß ich In meines Polsters Ruh; Des Lebens Breite maß ich Und sah dem Tage zu;
Der Schnee auf Flur und Haus, Und fernher lockten Glocken Mich in dem Pelz’ hinaus. Ein Schlitten kam geflogen,
Und, magisch fortgezogen, Schwang ich mich flugs hinauf. Der Kutscher, mein Philister, Blitzt kühn in sein Gespann,
Wo’s mir gefallen kann. Ich ließ ihn gerne walten; Nur vorwärts ging mein Sinn: So rauschten, schellten, knallten
[266] Musik, die allerneuste, Rührt minder Herz und Ohr; Ganz im erhabnen Geiste Trug sie mein Mentor vor.
Halt! rief ich mächtig, Halt! Denn an des Liebchens Hause Hielt’s mich mit Allgewalt. Bald auch im Federhute
Wie war mir da zu Muthe, Wie flog ich fort mit ihr! Mir war, als trügen Flügel Mich in ein schön’res Land;
Und nicht die Kutscherhand. Mit stolzem Wohlgefallen Bog er den Markt herum, Denn dort recht derb zu knallen,
Wohl mochten manche Leute Als Spötter gaffen stehn; Doch trieb sie auf die Seite Ein barsches Vorgesehn!
Wir über Raum und Welt, Und endlich fand der Schlitten Die Bahn in’s freie Feld. Und in des Lichtes Fülle,
Glänzt in der Zauberhülle Vor uns das heitre All; Und über uns die Bläue, Der Himmelslüfte Fluth,
In mir der Liebe Gluth. Den Staub der Erde decket Der reine, lichte Schnee; Den Raub der Flur verstecket
In diamantnem Flimmer Prangt dort ein Eichenwald, Und dort im Farbenschimmer Das Schloß in Fee’ngestalt.
Und durch ihr dunkles Blau Verschmilzt die Au der Sterne Mit unsrer Erdenau. [268] Und aus der kalten Hülle
Es keimt im Schooß der Stille Der Frühling Dir empor. Schon blüht’ er mir im Traume, Schon fühlt’ ich ihn so nah
Denn Liebchen sagte: Ja! Mit fröhlichem Behagen Sah ich nun queerfeldein Die Flügelpferde jagen,
So segelten ergötzlich Wir in der Zukunft Land, Als unser Schlitten plötzlich Verstummend stille stand.
Fragt’ ich: was ist denn hier? – Wir sind, so rief’s, am Ziele: Hier ist das gute Bier!