Die Nacht strich funkend ...

by Ernst Wilhelm Lotz (1890–1914) · 1917 German

Die Nacht strich funkend und heiß über meine Scheitel.
Der Gedanke an eine Jung-Geliebte
Atmete bei mir im Bett. - -
Aber als der Tag vor meinem Fenster ergrünte,
Schrak ich in Wachheit empor
Und sonnte meine Augen an einem neuen Traum,
Spinnweb-Strahlentraum.

Den zerlegte ich mit meinen Wunschblicken
Und stellte in den Morgen hinein ein scheues Glück.
In ein rotes Tulpenbeet stellte ich es hinein
Auf einen schneeigen Sockel.
Und schrieb darunter mit meinem Finger
Zittrig verwischt
Das Wort, das ein Staunen ist:
Freund. (S. 122-123)

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