Die Heilige

by Rainer Maria Rilke

[26]
Die Heilige

Das Volk war durstig; also ging das eine durstlose Mädchen ging die Steine um Wasser flehen für ein ganzes Volk. Doch ohne Zeichen blieb der Zweig der Weide,

5
und sie ermattete am langen Gehn

und dachte endlich nur, dass einer leide, (ein kranker Knabe, und sie hatten beide sich einmal abends ahnend angesehn). Da neigte sich die junge Weidenrute

10
in ihren Händen dürstend wie ein Thier:

jetzt ging sie blühend über ihrem Blute, und rauschend ging ihr Blut tief unter ihr.

More poems by Rainer Maria Rilke

All poems by Rainer Maria Rilke →