Die fünfte Elegie
[20] DIE FÜNFTE ELEGIE Frau Hertha Koenig zugeeignet WER aber sind sie, sag mir, die Fahrenden, diese ein wenig Flüchtigern noch als wir selbst, die dringend von früh an wringt ein wem – wem zuliebe niemals zufriedener Wille? Sondern er wringt sie,
wirft sie und fängt sie zurück; wie aus geölter, glatterer Luft kommen sie nieder auf dem verzehrten, von ihrem ewigen Aufsprung dünneren Teppich, diesem verlorenen
Aufgelegt wie ein Pflaster, als hätte der Vorstadt- Himmel der Erde dort wehegetan. Und kaum dort, aufrecht, da und gezeigt: des Dastehns
Männer, rollt sie wieder, zum Scherz, der immer kommende Griff, wie August der Starke bei Tisch einen zinnenen Teller. Ach und um diese
blüht und entblättert. Um diesen Stampfer, den Stempel, den von dem eignen blühenden Staub getroffnen, zur Scheinfrucht wieder der Unlust befruchteten, ihrer
Oberfläche leicht scheinlächelnden Unlust. [21] Da, der welke, faltige Stemmer, der alte, der nur noch trommelt, eingegangen in seiner gewaltigen Haut, als hätte sie früher
läge nun schon auf dem Kirchhof, und er überlebte den andern, taub und manchmal ein wenig wirr, in der verwitweten Haut. Aber der junge, der Mann, als wär er der Sohn eines Nackens
mit Muskeln und Einfalt. O ihr, die ein Leid, das noch klein war, einst als Spielzeug bekam, in einer seiner
Du, der mit dem Aufschlag, wie nur Früchte ihn kennen, unreif täglich hundert Mal abfällt vom Baum der gemeinsam erbauten Bewegung, (der, rascher als Wasser, in wenig
abfällt und anprallt ans Grab: manchmal, in halber Pause, will dir ein liebes Antlitz entstehn hinüber zu deiner selten zärtlichen Mutter; doch an deinen Körper verliert sich,
kaum versuchte Gesicht… Und wieder klatscht der Mann in die Hand zu dem Ansprung, und eh dir [22] jemals ein Schmerz deutlicher wird in der Nähe des immer trabenden Herzens, kommt das Brennen der Fußsohln
rasch in die Augen gejagten leiblichen Tränen. Und dennoch, blindlings, das Lächeln..... Engel! o nimms, pflücks, das kleinblütige Heilkraut.
offenen Freuden; in lieblicher Urne rühms mit blumiger, schwungiger Aufschrift: „Subrisio Saltat.“. Du dann, Liebliche,
stumm Übersprungne. Vielleicht sind deine Fransen glücklich für dich –, oder über den jungen prallen Brüsten die grüne metallene Seide
Du, auf alle des Gleichgewichts schwankende Wagen immerfort anders hingelegte Marktfrucht des Gleichmuts, öffentlich unter den Schultern.
wo sie noch lange nicht konnten, noch voneinander abfieln, wie sich bespringende, nicht recht paarige Tiere; – wo die Gewichte noch schwer sind;
[23] wirbelnden Stäben die Teller torkeln..... Und plötzlich in diesem mühsamen Nirgends, plötzlich die unsägliche Stelle, wo sich das reine Zuwenig
in jenes leere Zuviel. Wo die vielstellige Rechnung zahlenlos aufgeht. Plätze, o Platz in Paris, unendlicher Schauplatz,
die ruhlosen Wege der Erde, endlose Bänder, schlingt und windet und neue aus ihnen Schleifen erfindet, Rüschen, Blumen, Kokarden, künstliche Früchte –, alle unwahr gefärbt, – für die billigen
......................... Engel: es wäre ein Platz, den wir nicht wissen, und dorten, auf unsäglichem Teppich, zeigten die Liebenden, die’s hier bis zum Können nie bringen, ihre kühnen hohen Figuren des Herzschwungs,
längst, wo Boden nie war, nur aneinander lehnenden Leitern, bebend, – und könntens, vor den Zuschauern rings, unzähligen lautlosen Toten: Würfen die dann ihre letzten, immer ersparten,
gültigen Münzen des Glücks vor das endlich wahrhaft lächelnde Paar auf gestilltem Teppich?