Die dritte Elegie
[14] DIE DRITTE ELEGIE EINES ist, die Geliebte zu singen. Ein anderes, wehe, jenen verborgenen schuldigen Fluß-Gott des Bluts. Den sie von weitem erkennt, ihren Jüngling, was weiß er selbst von dem Herren der Lust, der aus dem Einsamen oft,
ach, von welchem Unkenntlichen triefend, das Gotthaupt aufhob, aufrufend die Nacht zu unendlichem Aufruhr. O des Blutes Neptun, o sein furchtbarer Dreizack. O der dunkele Wind seiner Brust aus gewundener Muschel.
stammt nicht von euch des Liebenden Lust zu dem Antlitz seiner Geliebten? Hat er die innige Einsicht in ihr reines Gesicht nicht aus dem reinen Gestirn? Du nicht hast ihm, wehe, nicht seine Mutter
Nicht an dir, ihn fühlendes Mädchen, an dir nicht bog seine Lippe sich zum fruchtbarern Ausdruck. Meinst du wirklich, ihn hätte dein leichter Auftritt also erschüttert, du, die wandelt wie Frühwind?
stürzten in ihn bei dem berührenden Anstoß. Ruf ihn... du rufst ihn nicht ganz aus dunkelem Umgang. Freilich, er will, er entspringt; erleichtert gewöhnt er sich in dein heimliches Herz und nimmt und beginnt sich.
Mutter, du machtest ihn klein, du warsts, die ihn anfing; dir war er neu, du beugtest über die neuen [15] Augen die freundliche Welt und wehrtest der fremden. Wo, ach, hin sind die Jahre, da du ihm einfach
Vieles verbargst du ihm so; das nächtlich verdächtige Zimmer machtest du harmlos, aus deinem Herzen voll Zuflucht mischtest du menschlichern Raum seinem Nacht-Raum hinzu. Nicht in die Finsternis, nein, in dein näheres Dasein
Nirgends ein Knistern, das du nicht lächelnd erklärtest, so als wüßtest du längst, wann sich die Diele benimmt... Und er horchte und linderte sich. So vieles vermochte zärtlich dein Aufstehn; hinter den Schrank trat
paßte, die leicht sich verschob, seine unruhige Zukunft. Und er selbst, wie er lag, der Erleichterte, unter schläfernden Lidern deiner leichten Gestaltung Süße lösend in den gekosteten Vorschlaf –:
hinderte innen in ihm die Fluten der Herkunft? Ach, da war keine Vorsicht im Schlafenden; schlafend, aber träumend, aber in Fiebern: wie er sich einließ. Er, der Neue, Scheuende, wie er verstrickt war,
schon zu Mustern verschlungen, zu würgendem Wachstum, zu tierhaft jagenden Formen. Wie er sich hingab –. Liebte. Liebte sein Inneres, seines Inneren Wildnis, diesen Urwald in ihm, auf dessen stummem Gestürztsein
eigenen Wurzeln hinaus in gewaltigen Ursprung, [16] wo seine kleine Geburt schon überlebt war. Liebend stieg er hinab in das ältere Blut, in die Schluchten, wo das Furchtbare lag, noch satt von den Vätern. Und jedes
Ja, das Entsetzliche lächelte... Selten hast du so zärtlich gelächelt, Mutter. Wie sollte er es nicht lieben, da es ihm lächelte. Vor dir hat ers geliebt, denn, da du ihn trugst schon,
Siehe, wir lieben nicht, wie die Blumen, aus einem einzigen Jahr; uns steigt, wo wir lieben, unvordenklicher Saft in die Arme. O Mädchen, dies: daß wir liebten in uns, nicht Eines, ein Künftiges, sondern
sondern die Väter, die wie Trümmer Gebirgs uns im Grunde beruhn; sondern das trockene Flußbett einstiger Mütter –; sondern die ganze lautlose Landschaft unter dem wolkigen oder
Und du selber, was weißt du –, du locktest Vorzeit empor in dem Liebenden. Welche Gefühle wühlten herauf aus entwandelten Wesen. Welche Frauen haßten dich da. Was für finstere Männer
Kinder wollten zu dir... O leise, leise, tu ein liebes vor ihm, ein verläßliches Tagwerk, – führ ihn nah an den Garten heran, gib ihm der Nächte Übergewicht......