Der Sonnenaufgang im Winter

by Friederike Brun

[61]     Der Sonnenaufgang im Winter.               1783.           Sonne komm hervor!           Sonne steig’ empor!      Sieh’, es neiget      Sich der Tanne Wipfel!

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          Sieh’ es beuget,

     Halb im Schnee versteckt,      Halb im Morgenroth entdeckt,      Jedes Hälmchen seine Spitze dir! Leise schwebt, wie nur der Geist empfindet,

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     Hauch der Liebe ungesehen,

          Wie ein Kind der Mutter Arm umwindet, Auf den kleinsten Hälmchen deines Athems Wehen!      Und es steigt empor zu Himmelshöhen      Leise das Erhaltungsflehen

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          [62] Aller Creatur,

          Und von der erstarrten Flur      Das Dankopfer der Natur!      Halb gesehn, und halb verschwunden,           Neigt, nach still durchwallten Stunden,

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     Cynthia ihr mattes Haupt;

          Schön mit Rosen ihre Stirn’ umwunden,      Früh’ Aurorens Kranz geraubt.      Fliege schnell, wie sanfter Liebe Sehnen,           Morgenroth! zum besten Vater hin;

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               Hin zur stillen Ruhestätte,

               Wo, nach innigem Gebete,      Frohe Träume seine Stirn’ umziehn!      Und mit leisem, liebevollem Säuseln, Wie dem Abendhauch sich Bäche kräuseln,

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     Sag’ ihm mit der Liebe Laut: Daß seine

     Fern von ihm getrennte Tochter weine,      Daß sie nicht den heitern Morgengruß      Heut empfängt, und ihres Vaters Kuß.

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