Der längste Tag mit alle seinem Licht

by Frieda Port

Hat er nicht einen Strahl,
Das Aug' dir zu erquicken, siegt er nicht
Im Streit mit eines Menschenherzens Qual?

Du willst nicht, daß die Wunde wieder heilt
In deiner tiefen Brust,
Nicht, daß das Schicksal Aller dich ereilt
Und pflanzt dir auf ein Grab die neue Lebenslust.

Du willst nicht. Hab' ich sonst in jedem Kampf
Gebetet, daß du siegst,
So will ich heute flehn, daß du dem Licht
Des längsten Tages endlich unterliegst.

Daß aus des Herzens Tiefe, die die Nacht
Des Grams bedeckt,
Das Licht unwiderstehlich heut den Quell
Der unversiegten Freude dir erweckt! (S. 39)

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