Der Fremde

by Rainer Maria Rilke

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DER FREMDE

Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten, die er müde nicht mehr fragen hieß, ging er wieder fort; verlor, verließ —. Denn er hing an solchen Reisenächten

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anders als an jeder Liebesnacht.

Wunderbare hatte er durchwacht, die mit starken Sternen überzogen enge Fernen auseinanderbogen und sich wandelten wie eine Schlacht;

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andre, die mit in den Mond gestreuten

Dörfern, wie mit hingehaltnen Beuten, sich ergaben, oder durch geschonte Parke graue Edelsitze zeigten, die er gerne in dem hingeneigten

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Haupte einen Augenblick bewohnte,

tiefer wissend, daß man nirgends bleibt; und schon sah er bei dem nächsten Biegen wieder Wege, Brücken, Länder liegen bis an Städte, die man übertreibt.

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Und dies alles immer unbegehrend

hinzulassen, schien ihm mehr als seines

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Lebens Lust, Besitz und Ruhm.

Doch auf fremden Plätzen war ihm eines täglich ausgetretnen Brunnensteines

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Mulde manchmal wie ein Eigentum.

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