Der Frühlingsregen am Genfersee

by Friederike Brun

[8] Der Frühlingsregen am Genfersee. Düstrer Wolkenzug , o schwebe näher,      Walle still am Jura dort hinab[1]; Und der Landmann , treuer Wetterspäher,      Juble: Segen träufelt uns herab!

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[9] Seht des schönen Sees Bett verdunkelt,

     Wo die Möve dort ins Wasser streift; Des Saleve Scheitel[2] heiß umfunkelt;      Jenes Huhn, das unters Obdach läuft.   Graue Schatten wandeln, schweben, tauchen

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     Schnell das Thal in trübe Dämmrung ein;

Kräuterknospen öffnen sich, und hauchen      Süßern Duft als Zeilons Spezerein[3].   Regen triefelta freundlich und gelinde      Jetzt auf Hügel, Acker, Wies’ und Feld;

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Und der Vögelchor im Frühlingswinde

     Tönt im Busch, vom Zitterglanz erhellt. [10] Auf der Dole[4] schwimmt ein Meer von Strahlen;      Purpur färbt das öde Felsenschloß[5]; Rosenschimmer, die den Mole[6] mahlen,

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     Sinken auf des Sees Spiegelschooß.

  Erd’ und Himmel, Fels und Thal und Hügel,      Glänzt in reiner Farbenharmonie; Die Gewässer[7] und der Winde Flügel      Rauschen drein in hoher Melodie.

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[11] Schalle dann: Laut durch die Weltentöne[8],

     Edler Chor, den unser Freund erschuf; Und der Menschenstimme Zauber kröne      Der Natur vereinten Freudenruf.

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