Der Frühlingsregen am Genfersee
[8] Der Frühlingsregen am Genfersee. Düstrer Wolkenzug , o schwebe näher, Walle still am Jura dort hinab[1]; Und der Landmann , treuer Wetterspäher, Juble: Segen träufelt uns herab!
Wo die Möve dort ins Wasser streift; Des Saleve Scheitel[2] heiß umfunkelt; Jenes Huhn, das unters Obdach läuft. Graue Schatten wandeln, schweben, tauchen
Kräuterknospen öffnen sich, und hauchen Süßern Duft als Zeilons Spezerein[3]. Regen triefelta freundlich und gelinde Jetzt auf Hügel, Acker, Wies’ und Feld;
Tönt im Busch, vom Zitterglanz erhellt. [10] Auf der Dole[4] schwimmt ein Meer von Strahlen; Purpur färbt das öde Felsenschloß[5]; Rosenschimmer, die den Mole[6] mahlen,
Erd’ und Himmel, Fels und Thal und Hügel, Glänzt in reiner Farbenharmonie; Die Gewässer[7] und der Winde Flügel Rauschen drein in hoher Melodie.
Edler Chor, den unser Freund erschuf; Und der Menschenstimme Zauber kröne Der Natur vereinten Freudenruf.