Der Berg

by Rainer Maria Rilke (1875–1926) · 1918 German

Sechsunddreißigmal und hundertmal
hat der Maler jenen Berg geschrieben,
weggerissen, wieder hingetrieben
(sechsunddreißigmal und hundertmal)

zu dem unbegreiflichen Vulkane,
selig, voll Versuchung, ohne Rat, —
während der mit Umriß Angetane
seiner Herrlichkeit nicht Einhalt tat:

tausendmal aus allen Tagen tauchend,
Nächte ohnegleichen von sich ab
fallen lassend, alle wie zu knapp;
jedes Bild im Augenblick verbrauchend,
von Gestalt gesteigert zu Gestalt,
teilnahmslos und weit und ohne Meinung —,
um auf einmal wissend, wie Erscheinung,
sich zu heben hinter jedem Spalt.

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