Der Apfelgarten

by Rainer Maria Rilke

[114]
DER APFELGARTEN

BORGEBY-GARD Komm gleich nach dem Sonnenuntergange, sieh das Abendgrün des Rasengrunds; ist es nicht, als hätten wir es lange angesammelt und erspart in uns,

5
um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,

neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun, noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern, in Gedanken vor uns hinzustreun unter Bäume wie von Dürer, die

10
das Gewicht von hundert Arbeitstagen

in den überfüllten Früchten tragen, dienend, voll Geduld, versuchend, wie das, was alle Maße übersteigt, noch zu heben ist und hinzugeben,

15
wenn man willig, durch ein langes Leben

nur das Eine will und wächst und schweigt.

More poems by Rainer Maria Rilke

All poems by Rainer Maria Rilke →