Delphine

by Rainer Maria Rilke

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DELPHINE

Jene Wirklichen, die ihrem Gleichen überall zu wachsen und zu wohnen gaben, fühlten an verwandten Zeichen Gleiche in den aufgelösten Reichen,

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die der Gott, mit triefenden Tritonen,

überströmt bisweilen übersteigt; denn da hatte sich das Tier gezeigt: anders als die stumme, stumpfgemute Zucht der Fische, Blut von ihrem Blute

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und von fern dem Menschlichen geneigt.

Eine Schar kam, die sich überschlug, froh, als fühlte sie die Fluten glänzend: Warme, Zugetane, deren Zug wie mit Zuversicht die Fahrt bekränzend,

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leichtgebunden um den runden Bug

wie um einer Vase Rumpf und Rundung, selig, sorglos, sicher vor Verwundung, aufgerichtet, hingerissen, rauschend und im Tauchen mit den Wellen tauschend

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die Trireme heiter weitertrug.

Und der Schiffer nahm den neugewährten Freund in seine einsame Gefahr

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und ersann für ihn, für den Gefährten,

dankbar eine Welt und hielt für wahr,

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daß er Töne liebte, Götter, Gärten

und das tiefe, stille Sternenjahr.

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