Deine Wangen so roth

Deine Wangen so roth und so zitternd dein Fuß
Auf Steinen, den regenglatten.
War es der sinkende Abend allein,
Daß glühend euch machte sein Wiederschein,
Augen, ihr schönen im Schatten?

Siehe, verflogen ist Regen und Sturm,
Noch einmal leuchten die Matten.
Nur in eure Tiefen es feucht noch quoll,
Wie nach Herzensstürmen erinnrungsvoll,
Augen, ihr schönen im Schatten.

Wie lange, wie bald, dann leuchtet tief
Erröthend die Seele dem Gatten.
In der Liebe sonnigem Wiederschein
Werden Tage und Nächte euch helle sein,
Augen, ihr schönen im Schatten!

Collection: 
1882

More from Poet

  • Weißt du noch - in Maienmonden,
    Als wir gingen unter Birken?
    Heil'ges Schweigen war verbreitet
    In der knospenden Natur;
    Denn sie hatte still zu wirken
    In den Wäldern, auf der Flur.
    Tausend Wiesen an den Buchten,...

  • In der Kapelle war's. Beim Kerzenschein
    Die Messe klang. Die Fenster aus und ein
    Um hohe Säulen Schwalben zwitschernd flogen.
    Zwar sprach mein Mund zu dir im Liebesschwur,
    Beklommen nur, - doch in die Zukunft zogen
    Beflügelte...

  • Die Brunnen rauschen stille,
    Mein Herz, das schlägt dazu.
    Kein Nachtwind kühlet die Stirne,
    Kein Frieden ist süß wie du.
    Die Welt liegt nun in Träumen
    Von Liebe, von Lust und Leid;
    Doch meine Gedanken durchwandern...

  • Gute Nacht und gute Nacht!
    Und auch heut noch kein Geständniß.
    Warum scheuchte mir die Macht
    Deines Blicks ein tief Bekenntniß?
    Doch schon jetzt im Windeswehn
    Wachst vielleicht du auf zum Weinen,
    Möchtest nun...

  • An der Kirchthür bin ich vorbeigegangen,
    In den Linden schlief der Wind.
    Ach, was mach' ich diesen lieben langen
    Sonntag ohne dich, mein Kind?

    An der Kirchthür sah ich fernes Leuchten,
    Kerzen in der Altarpracht;
    ...