Das neue israelitische Hospital zu Hamburg
[107] DAS NEUE ISRAELITISCHE HOSPITAL ZU HAMBURG. Ein Hospital für arme, kranke Juden, Für Menschenkinder, welche dreifach elend, Behaftet mit den bösen drei Gebresten, Mit Armuth, Körperschmerz und Judenthume!
Das tausendjährige Familienübel, Die aus dem Nil-Thal mitgeschleppte Plage, Der altägyptisch ungesunde Glauben. Unheilbar tiefes Leid! Dagegen helfen
Der Chirurgie, noch all’ die Arzeneien, Die dieses Haus den siechen Gästen bietet. Wird einst die Zeit, die ew’ge Göttin, tilgen Das dunkle Weh, das sich vererbt vom Vater
Genesen und vernünftig seyn und glücklich? Ich weiß es nicht! Doch mittlerweile wollen Wir preisen jenes Herz, das klug und liebreich Zu lindern suchte, was der Lind’rung fähig,
Der theure Mann! Er baute hier ein Obdach Für Leiden, welche heilbar durch die Künste Des Arztes, (oder auch des Todes!), sorgte Für Polster, Labetrank, Wartung und Pflege –
Für gute Werke gab er hin den Taglohn Am Abend seines Lebens, menschenfreundlich, Durch Wohlthun sich erholend von der Arbeit. Er gab mit reicher Hand – doch reich’re Spende
Die kostbar schöne Thräne, die er weinte Ob der unheilbar großen Brüderkrankheit.