Das Bild der Sehnsucht
[41] Das Bild der Sehnsucht. Süsses Bild, das mir mit leisem Sehnen Herz und Sinn, und Geist und Auge füllt! Reine Quelle meiner stillen Thränen, Nie vergessnes, immer nahes Bild!
Neugeboren unter’m Morgenhain; Und mit Wonneglanz füllt deine Holde Gegenwart selbst Trauerphantasei’n! In der Andacht hohem Sternenfluge,
Weilst mit mir am ernsten Aschenkruge, Hebest tröstend mir der Zukunft Flor; [42] Zeigst mir der Vollendung Sonnenauen, Und die Ruh’ der jede Klage schweigt;
Flüsterst: „Muth! Bald ist das Ziel erreicht! „Wiederfinden heisst des Zieles Krone, „Ungetrennt dann wandeln Einen Pfad. „Sieh! Es reift dem himmelvollen Lohne
Fern getrennt, und doch für mich geboren? Dunkles Schicksal, das mein Leben lenkt! Schnell erkannt, und schneller noch verloren,
Sah’ ich dich, und fühlte höhres Leben Schöpferisch durch jede Nerve glühn – Hörte dich, empfand mit tiefem Beben Feste Bande uns zusammenziehn!
Stille Freude, heitre Geistesruh’, Muth für jede, auch die schwerste Bürde, Lächelte mir sanft dein Auge zu. Nie gefühltes inniges Vereinen,
Ach! Um dich, um dich sollt ich nicht weinen, Bis des Lebens harter Faden reisst? Ferne! Du vermagst uns nicht zu trennen! Seelen trennt nicht Berg, nicht Land und Meer.
Banges Herz! Was trauerst du so sehr?