Brunnen

by Rainer Maria Rilke

[27] BRUNNEN Ganz verschollen ist die alte, holde Brunnenpoesie, da aus Tritons Muschelspalte [28] eine klare Quelle lallte,

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die den Gassen Sprache lieh.

Abends bei dem Röhrenkasten sammelte sich Paar um Paar, weil der Quelle lieblich Glasten und ihr Laut der tiefgefaßten

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Neigung süßes Omen war.

Aber als durch Menschenmühn dann Wasser treppenaufwärts stieg und kein Paar kam: Misogyn dann ward der Gott; es schlich sich Grünspan

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in die Muschel, – und er schwieg.

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