Bey Henriettens Grabe

by Friederike Brun

[73]  Bey Henriettens Grabe.          (1788). Schlummre sanft im Schooß der Erde,      Holdes Mädchen! warm geliebt; Deine schöne Seele werde      Nicht durch unsern Gram betrübt!

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Losgewunden von dem Staube

     Fleug’ mit schnellem Flug hinauf – Und des Himmels schönste Laube      Nehm’, Entschleierte! dich auf. Nur dein lieblich Bild begleite

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     Jedes Mädchen, sanft und gut;

[74] Unschuld war dein hehr Geleite,      Und der Tugend ernster Muth. Ausgelöscht und eingesunken      Ist dies Aug’ und dieser Blick!

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Neugeboren, wonnetrunken,

     Schaust du nun nicht mehr zurück! Nein! empor, empor zu schweben,      Tief ins Heiligthum hinein, Strebt dein Geist; dein neues Leben      Stralt von Kraft und ew’gem Seyn.

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Ruhe denn im Schooß der Erde,

     Zarte Hülle! leicht zerstört; Und der Freundschaft Sehnsuchr werde      In der Hoffnung Stral verklärt.

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