Bergidylle
Auf dem Berge steht die Hütte, Wo der alte Bergmann wohnt; Dorten rauscht die grüne Tanne, Und erglänzt der gold’ne Mond.
Reich geschnitzt und wunderlich, Der darauf sitzt, der ist glücklich, Und der Glückliche bin Ich! Auf dem Schemel sitzt die Kleine,
Aeuglein wie zwei blaue Sterne, Mündlein wie die Purpurros’. Und die lieben, blauen Sterne Schau’n mich an so himmelgroß,
Schalkhaft auf die Purpurros’. [290] Nein, es sieht uns nicht die Mutter, Denn sie spinnt mit großem Fleiß, Und der Vater spielt die Zitter,
Und die Kleine flüstert leise, Leise, mit gedämpftem Laut; Manches wichtige Geheimniß Hat sie mir schon anvertraut[1].
Können wir ja nicht mehr geh’n Nach dem Schützenhof zu Goslar, Und dort ist es gar zu schön. „Hier dagegen ist es einsam,
Und des Winters sind wir gänzlich Wie vergraben in dem Schnee. „Und ich bin ein banges Mädchen, Und ich fürcht’ mich wie ein Kind
Die des Nachts geschäftig sind.“ [291] Plötzlich schweigt die liebe Kleine, Wie vom eignen Wort erschreckt, Und sie hat mit beiden Händchen
Lauter rauscht die Tanne draußen, Und das Spinnrad schnarrt und brummt, Und die Zither klingt dazwischen, Und die alte Weise summt:
Vor der bösen Geister Macht; Tag und Nacht, du liebes Kindchen, Halten Englein bei dir Wacht!“