Beim Jahreswechsel

by Christian Ludwig Neuffer (1769–1839) · 1829 German

Welch Opfer kann ich dir, Iduna, weih'n,
Und welch Gelübde soll zur Leier tönen?
Mit welchem Kranz kann ich das Haupt dir krönen,
Mit welcher Gabe dein Gemüth erfreu'n?

Ich möchte selbst des Schicksals Lenker seyn,
Dann sollte mir die ganze Erde fröhnen,
Das Leben dir elysisch zu verschönen,
Und jeden Glanz des Glückes zu verleih'n.

Was ich besitze, hab' ich längst gegeben,
Mein ganzes Herz, getreu und ungetheilt,
Mit meiner Liebe schenk' ich dir mein Leben.

Die Stunden flieh'n, die rasche Zeit enteilt,
Und jedes Glück der Welt stürzt in Ruinen,
Der Liebe Palmen sieht man ewig grünen.

Aus: Gedichte von Neuffer
Zweites Bändchen Cabinets-Ausgabe
Hildburghausen u. New York
Druck und Verlag vom Bibliographischen Institut 1829 (S. 56)

_____

More poems by Christian Ludwig Neuffer

  • Abendgenuß im Frühling

    An Iduna
    In deiner Jugend herrlichen Blüthe, sey
    In deiner Schönheit prächtigem Schmuck gegrüßt, …
  • An die Unbekannte

    Wo such' ich dich, o du, die meinem Herzen
    Ein Gott erkor?
    Wo finden meine Klagen, meine Schmerzen …
  • An Ida

    Wo nehm' ich, dir zu danken,
    Die kühne Sprache her?
    Im Ungestüm der Wonne …
  • An Idas Krankenbette

    Dieß ist heiliges Land! Hier ring' ich nach Trost und Ergebung,
    Und mein kämpfendes Herz fleht um Erbarmung zu Gott.
    Ida schlummert! das sterbende Licht der verglimmenden Lampe …

All poems by Christian Ludwig Neuffer →