Bei Nacht

by Rainer Maria Rilke

[25] BEI NACHT Weit über Prag ist riesengroß der Kelch der Nacht schon aufgegangen; der Sonnenfalter barg sein Prangen in ihrem kühlen Blütenschooß.

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Hoch grinst der Mond, der schlaue Gnom,

und neckend streut er das Gesträhne der weißen Silberhobelspäne hernieder in den Moldaustrom. Da plötzlich, wie beleidigt, hat

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zurückgerufen er die Strahlen,

weil er gewahr ward des Rivalen: der Turmuhr helles Stundenblatt.

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