Aus dem dreißigjährigen Kriege
[51] AUS DEM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE Kohlenskizzen in Callots Manier 1. KRIEG Finster ist die Welt geworden, – darum Dörfer rasch entloht! und die Welt ist grau; – drum rot färbt sie durch das Morden!
Nimm dirs! Aber bei uns bleib! Herrgott hat dir Ochs und Weib nur für uns gegeben. Laß den Teufel Felder pflügen;
Vorwärts – einen Werbetrunk aus den vollen Krügen! 2. ALEA JACTA EST »... Tod oder Sold!« Und jetzt die Trommel schnell
Würfel gerollt. So wird dem Lohn, der unsre Streiche sucht. Sieh, der Baum, reiche Frucht
Solltest schon längst hängen dran, Kamerad! Drum ists nicht jammerschad, wenn du dann hängst! [53] 3. KRIEGSKNECHTS-SANG
kaum zwei Spannen lang, und der rauhe Trommeltakt war mein Wiegensang. Wild zu wettern taugte ich
meine Milch, die saugte ich aus dem Pulverhorn. Damals taufte jeden gut der Korp’ral; beim Schopf
heiß ihm übern Kopf. 4. KRIEGSKNECHTS-RANG Bei uns gibts nicht Edelinge, die was gelten durch ihr Blut, jedes Rang ist jedes Klinge,
Wer nur immer kühn sein Schwert zog, hält den Schild von Schande rein, wer noch gestern unterm Heer zog, Herzog kann er morgen sein. [54] 5. BEIM KLOSTER
Ei, Potz Blitz! Eine Tür von dieser Sorte renn ich ohne viele Worte ein mit meiner Nasenspitz!
Pfaffe, komm! Jetzt heraus mit deinem Krempel, paar Monstranzen zum Exempel und paar Kelche: wir sind fromm.
Leucht zum Wein uns mit deiner Nase, Frater, dorten kannst du uns ein Rater und ein ›Seelensorger‹ sein! 6. BALLADE
durch das Dörfchen hin mit Morden, und ein Mädchen sinnt jetzt still: Ist der Liebste untreu worden, weil er heut nicht kommen will? –
[55] Mädchen ging mit bleicher Wange durch das Haus. – Sie harrte lange, und des Nachts floh sie der Schlaf. Und sie schlich hinaus zum Hange,
Ängstlich schrien die Dohlen. Und die Nacht war schwarz, die schwüle, fern nur brannte eine Mühle ... Weinend wählt die matte Maid
und entschlief in lauter Leid. Schrieen noch die Dohlen? Spät erwacht sie. Nebel grauten rings – soweit die Augen schauten ...
ist das Haar an ihres Trauten blutigem, zerschelltem Haupt. – Schrecklich schrien die Dohlen. 7. DER FENSTERSTURZ »Naht Verrat mit leisem Schritte,
bleibt er nicht! Nach alter Sitte zu den Fenstern!« schrie Colonna. [56] »Schont den Popel! doch die andern, jeder eine feige Natter,
Mitleid? –Werft ihn mit, den Platter!« Bange hangt am Fensterstocke Martinitz noch. – Da Geröchel: Turn schwingt seine Degenglocke
Und zum nächsten: »Sag, wie heißt er, Böhmens Herr? du sollst mirs deuten!« »Graf von Turn! « – »Der Bürgermeister lasse alle Glocken läuten!« – 8. GOLD
Wo hast das Gold du her?« – »Da schaust du, Kind, das ist mein Sold, kein Obrist hat wohl mehr!« »Nein, das ist gutes, rotes Gold,
»Beim Spielen war das Glück mir hold, und da ward alles mein! « »Ist wirklich alles dein – das Gold, gesteh, – und ists kein Trug?« –
und jetzt laß es genug!« »Und gibst du mir auch von dem Gold?« »Das weißt du!« – »Nein, du Schelm, just auf der Stelle, sieh, ich wollt,
»Es sei! « – »Wie’s durch die Finger bebt, der Glanz gefällt mir gut! – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
kam das vom Golde? – Blut!« – ... – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 9. SZENE Du kniest am Markstein, Alter, sprich! – Das ist kein Heilgenbild!«
das Schicksal gar so wild.« »Hast du kein Haus, hast du kein Land, das deiner Hände braucht?« »Das Land zerstampft, das Haus verbrannt,
[58] »Was bauts nicht wieder auf dein Sohn und hilft dir aus der Not?« »Mein Sohn zog in den Krieg davon, jetzt ist er sicher tot.« –
der Tochter Hand nicht weich?« – »Der bracht ein Troßbub Schand und Weh, da sprang sie in den Teich.« – »So sieh mir ins Gesicht! – Und brach
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – »Ich kann nicht, Herr, ein Kriegsknecht stach mir beide Augen aus.« 10. FEUERLILIE Winters, als die Äste krachten,
weil die Fluten Blutes ihren Pulsschlag immer neu entfachten. Als die Zeit kam, da die Blume aufwacht und der Vogel flötet,
aus der todgedüngten Krume. [59] 11. BEIM FRIEDLAND Heimgekehrt von Schlacht und Schlag freut sich Obrist und Gemeiner; denn jetzt hält der Wallensteiner
Just ließ frei den Turn er ziehn; das war so von seinen Trümpfen einer. – Drauf ward Nasenrümpfen Mode ... dort bei Hof zu Wien.
muß nicht darben und nicht dürsten, – und aus Knechten macht er Fürsten, unser Herzog. – Wer kann mehr? 12. FRIEDEN Prag gebar die Mißgestalt
hauste. – Auf der Karlsbrücke starb er, dreißig Jahre alt. Endlich riß das Eisenstück nur dem Acker eine Schramme,
in den trauten Herd zurück.