Auf dem Wolschan

by Rainer Maria Rilke

[26] AUF DEM WOLSCHAN Am Abend des Tages von Allerseelen I Die dürren Äste übergittern des Himmels abendblasse Scheiben; und über Grüfte, reich mit Flittern geschmückt, geht Wehmut, und es zittern

5
die Lichter durch das Blättertreiben.

Im müden Blau, im regungslosen, schwimmt fern der Mond. Die Lebensbäume, die seine blanke Stirne kosen, sind schwarz. Der Duft von welken Rosen

10
schleicht her wie Geister toter Träume.

II [27] Ferner Lärm vom Wagendamm. – Hier keimt Friede und Vergessen, zwischen zweien Grabzypressen hangt der Mond wie ein Tam-Tam.

15
Schlägt die Ewigkeit nicht sacht

jetzt daran mit schwarzem Schwengel? Bange schaut ein Marmorengel in das Aug der Spätherbstnacht.

More poems by Rainer Maria Rilke

All poems by Rainer Maria Rilke →