Abschied

by Hugo Ball (1886–1927) · 1923 German

Sag mir, daß du dich im Föhnwind sehnst
Und daß du trauern würdest,
Wenn ich ginge.
Sag mir, daß diese Tage schön sind
Und daß du weinen wirst,
Wenn ich nicht singe.

Sag mir, daß du dem Leben gut bist.
Sag meiner Stimme, daß sie nie verwehe ...
Sag, daß du heiter und voll frohen Muts bist,
Auch wenn ich lange Zeit dich nicht mehr sehe ...

Sag mir, daß ich ein töricht Kind bin,
Und streichle mich, wie eine junge Meise.
Sag mir, daß ich zu dir zurückfind,
Auch wenn die Nächte dunkel sind,
Durch die ich reise ... (S. 129)
_____


More poems by Hugo Ball

  • Noch mischt sich das Gold unsrer Augen

    Noch mischt sich das Gold unsrer Augen
    Noch fällt ein scheuer Strahl
    Auf die lächelnde Madonna …
  • Ach, die Wiege

    Ach, die Wiege,
    Drin ich liege,
    Tönt wie eine Gambe! …
  • An Emmy in Florenz

    Oh, wie Du lebtest: stets im Fluge
    Und stets geschwungen von den großen Händen.
    Gezaust die Flügel und das Herz verzehrt …
  • Bagatelle

    Bagatelle
    Vor meinem Fenster
    Im Sonnenschein …

All poems by Hugo Ball →