201.

by Simon Dach German

Wiltu nichts vom bräutgam hören, Wünschest dir für ihm den tod? Laß dich nicht, mein kind, bethören, Setz dich willig nicht in noht! Denck, was dieses sey für pein, Alt und doch noch jungfrau seyn. Lieben und geliebet werden Ist das beste von der welt, Ist, was bloß dieß hauß der erden Frey von allem fall' erhält; Was nicht lieben wil noch kan, Wozu taug es umb und an? Wenn der scheitel dir wird blecken Und du wirst die zähne nicht Mehr für alter können decken, Runtzlecht seyn im angesicht, Ach, hett' ich doch vor der zeit, Wirstu sagen, noch gefreyht! Wie die äpffel sampt den zweigen Vor dem garten-herren sich Umb die herbst-zeit niederbeugen Und fast sprechen: Pflücke mich! Wie der damals reiffe wein Seufftzt und wil gelesen seyn, Wie die volle ros' im lentzen Kläglich thut nach deiner hand, Wil, dein härchen zu bekräntzen, Von dir werden angewandt, Wie auch gern die reiffe saat Ihren trost, die schnitter, hat, Also reiffen deine gaben, Und, treugt mich das auge nicht, Wollen einen freyer haben, Was dein mund dawider spricht; Wo nicht du, doch deine zier Suchet einen bräutgam dir. Komm zu mir, mein obst und traube, Ros' und saat, erfreue mich! Komm, nach dieser früchte raube Sehnet meine seele sich; Dieß obst sättigt meinen sinn, Ob ich sonst gleich obst-scheu bin! (S. 455-456)

More poems by Simon Dach

All poems by Simon Dach →