181.

by Simon Dach German

Sol denn mein junges leben, Da alles liebt und freyht, Alleine sich ergeben Der langen einsamkeit? Bleibt dann die freud und lust Der schleyer-weissen brust, Nach der wir alle streben, Mir ewig unbewust? Die würme, die nur schleichen, Die schnellen fisch' im meer, Das wild in den gesträuchen, Der vögel leichtes heer, Und was sich in der welt Durch lufft und flut erhält, Kriegt jedes seines gleichen, So bald es ihm gefällt. Nur ich muß nicht geniessen, Worauff dieß leben geht, Das glück wil mir verschliessen, Was andern offen steht; Der früling meiner zier Ist ferne schon von hier, Gleich wie die bäche fliessen, So eilt mein herbst zu mir. Ich aber muß noch bleiben, So wie ich vormals war, Sol nimmer mich beweiben, Mit keiner seyn ein paar, Das süsse wangen-roht Sol nimmer mir die noht Der einsamkeit vertreiben; Solch leben ist ein tod. Du königin Dione, Von der es einig rührt, Daß meiner zeiten krone Mir keine lust gebührt, Ist dieß der lieder danck, Die ich mein leben lang Von dir und deinem sohne In meine geige sang? Es hat mich nie gefangen, Was mir verboten ist, Bin nie dem nachgegangen, Was leib und seele büst, Wil keiner wilden brunst; Nur eines menschen gunst In ehren zu erlangen Versuch ich alle kunst. Sol ich mir dann erst rahten, Wenn schon mein winter schneyt, Was thue ich dann vor thaten Im süssen liebes-streit? Wer jung ist, liebt den krieg, Ein alter bleibt zurück, Denn solcher art soldaten Erhalten schlechten sieg. Nein, jetzund wil ich haben, Was auff mein leiden dient, Weil noch die füsse traben Und noch mein alter grünt. Komm, Venus, schleuß mich ein Der liebsten, die ich meyn', Ich wil von deinen gaben Recht satt und truncken seyn. (S. 427-429)

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