Zum Abschiede

by Adolf von Tschabuschnigg (1809–1877) · 1833 German

Holdes, liebliches Mädchen, lebe wohl! ach,
Ferne wirst du von mir nun sein, doch immer
Werd' ich dein noch gedenken, liebe Seele!
Feuchteren Blikes. -

Und gedenken der schönen, heil'gen Stunden,
Wenn, ergriffen vom Aufschwung deiner Lieder,
Kühn und wirbelnd mein Geist in schön'ren Träumen
Fessellos schwebte;

Dein gedenken, wenn künstlich und gemessen
Mich die Sänger der Residenz ergözen;
Anders klangen, so fühl' ich dann, die Lieder
Meiner Luise!

Ach! ein Jubeln, ein Seufzen war dein Singen,
Im verklärteren Auge schwamm der Himmel,
Und der heilige Busen hob sich zitternd,
Leise erbebend.

Wann der Busen dir wieder heilig aufbebt,
Und dein Auge im Liederschwunge leuchtet,
Dann, Luise! dann mög'st du mein gedenken -
Feuchteren Blikes! (S. 50-51)
_____

More poems by Adolf von Tschabuschnigg

  • An *

    Leise kam es, wie so Vieles,
    Unter Scherz und unter Lust
    Stand ich an dem End' des Zieles, …
  • Auf Nimmerwiedersehen

    Bin oft von dir gewandert,
    Kam aber stets zurük,
    Hab' lächelnd dir getroknet …
  • Begegnung

    Da drängtest du dich wieder mir entgegen,
    Verwegen war der Laune Wunsch und toll,
    Fort gingen wir auf weitzerriss'nen Wegen, …
  • Das Ländchen der Liebe

    Voll Kämpfe und Falschheit, gar arg ist die Welt,
    Gar übel zumahl ist's auf Erden bestellt,
    Doch kenn' ich ein friedliches, freundliches Land, …

All poems by Adolf von Tschabuschnigg →