Einmahl noch

by Adolf von Tschabuschnigg (1809–1877) · 1833 German

Laß noch einmahl alle Lust und Freude
Still vorbei an meinem Herzen geh'n,
Laß noch einmahl, eh ich von dir scheide,
Mich in meinen ganzen Himmel seh'n!

Preß' noch einmahl die entfloss'nen Stunden
Wuchernd all' in einen Augenblik,
Einmahl noch, bevor es ganz entschwunden,
Zeige mir mein ganzes Glük!

Einmahl noch das Lächeln voller Wonne,
Gottes schönsten Lohn für seine Welt,
Das in gleicher Klarheit auf die Sonne,
Und in stilles Blüthendunkel fällt.

Einmahl noch die warme Hand in meiner,
Und der Vollmond über dir und mir;
Einmahl meine Brust noch eng an deiner,
Eine stille Stunde noch mit dir!

Einmahl noch den Blik bis tief zu Herzen,
Sehnsuchtvoll, in Thränen mild verklärt,
Der mir selbst der Trennung Schmerzen
Still in Wonneschauer kehrt.

Einen Kuß noch für das lange Scheiden,
Mit dem Kuß dein ganzes Herz,
Als Erinn'rung an vergangne Freuden
Stärk' er mich in meinem Schmerz'!

Einmahl noch dein ganzes Bild, - o säume!
Und geblendet mög' der Blik vergeh'n,
Daß ich dann von dir nur träume
Immer bis zum Wiederseh'n! (S. 21-22)
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