Xvii.

German

XVII.
Ein lustiger Mediziner
War dazumal mein Freund;
Wir saßen bei vollem Glase
Um Mitternacht vereint.

Ich sprach ihm von meiner Liebe,
Indessen er zecht' und sang,
Und meine Worte verhallten
Im wilden Gläserklang.

Doch sprach ich immer und stärker,
Mit höherer Liebesglut;
Ich wollte damit dämmen
Mein bange wallendes Blut.

Da wurde er ungeduldig
Und sagte mit barschem Ton:
"Ich kenne deine Geliebte
Und rate dir ab davon.

Ich rate dir ab, sonst bist du
Ein Witwer im nächsten Mai;
Denn dann liegt sie im Sarge,
'ne Leiche frank und frei.

Die Rosen sind eitel Hektik
Auf ihrem schmalen Gesicht;
Ich hörte sie heute husten,
Und das gefällt mir nicht.

Wohl ist sie ein feines Wesen,
Doch eben nur allzufein -
Lass' fahren den sterblichen Engel,
Sonst trifft dich Kummer und Pein."

Die herben Worte schnitten
Mir tief in die Seele ein,
Und darum weil leicht ja was Wahres
An ihnen konnte sein.

Jedoch mein armes Liebchen
Gewann einen Zauber mehr; -
Nein, nein, sie kann nicht sterben!
Wir lieben uns allzusehr.

Am Morgen ward ich ruhig,
Als die Sonne ins Zimmer fiel;
Ich sah durch's Fenster fröhlich
Der jagenden Wolken Spiel.

Ich rief: "Er sprach's im Rausche,
Und ich war gestern ein Tor;
Es lebe das rosige Leben
Und meine Liebe zuvor!" (S. 87-88)

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XVII.

Year Written: 
1806
Year Rounded: 
1 800
Poem StrLen Difference: 
0

More from Poet

VI.
Wohl ist die Lilie wunderbar,
Wenn stolz sie sich im Garten wiegt,
In ihrem Kelche, sonnenklar,
Langsam der Morgentau versiegt;
Doch mag ich gehn und wandern,
So weit nur Lilien stehn,
Ist keine vor der andern
Mit höherm Schmuck versehn.

...

V.
Viele Wochen sind entflohn,
Seit ich Dich gesehen;
Hab' auch lange Tage schon
Keine Blum' gesehen!

Keine Blumen und kein Lieb -
Ach was soll das werden?
Was soll aus dem Frühlingstrieb
In mir innen werden?

Zwar noch stets der Lenz...

IV.
Nun in dieser Frühlingszeit
Ist mein Herz ein klarer See,
Drin versank das schwere Leid,
Draus verdampft das leichtre Weh.

Spiegelnd mein Gemüte ruht,
Von der Sonne überhaucht,
Und mit Lieb' umgießt die Flut,
Was sich in dieselbe taucht.

...

III.
Sitzt man mit geschloßnen Augen
Einsam in dem dunkeln Zimmer,
Blitzt oft durch die zarten Lider
Plötzlich roter Kerzenschimmer;
Weiß ich doch, daß Sonnenstrahlen
Durch die Augendeckel dringen
Und in flimmernden Gebilden
Sich um unsre Seele...

II.
Durch's Frührot zog das Wolkenschiff
vor einem hellen Frühlingstag,
Als ich, ein träumend Schülerkind,
im morgenstillen Felde lag;
Ein Falter streifte meine Stirn,
und vor mir eine Lilie stand;
Ich aber schaute drüber hin
in's tiefe, blaue...