XIV.

by Johann Hermann Schein (1586–1630) · 1609 German

Der Hirte Coridon/
Als einsmals schien die Sonn/
Hüttend mit fleiß der Schäffelein/
Dacht an die Schönste Filli sein/
Bey sich sufftzend erweget/
Wo Amor voller witz
hette sein Rittersitz/
Darin er sein macht pfleget.

Als er sich lang bedacht/
Und selbst gantz jrre macht/
Sprach er/ fürwar sein heller glantz/
Sitzt in der Filli Euglein gantz/
Abr sein Krafft anzuzünden/
Thut wol ohn allen schertz/
Mein arm verliebtes Hertz/
In sich wohnend empfinden.

Ach/ ach/ sprach Coridon
Also bey mir nicht wohn/
Bald endere die Wohnung dein/
Entzünd der Filli Hertzelein/
Und mit deim glantz hingegen/
Dein stete Wohnung richt
Von aussn in mein Gesicht/
Die Filli mög bewegen. Aus: Musica boscareccia.
Wald Liederlein Auff Italian-Villanellische Invention
Beydes für sich allein mit lebendiger Stim
oder in ein Clavicimbel etc.
von Johann Hermann Schein
Leipzig 1621
[ohne Seitennumerierung]

_____

More poems by Johann Hermann Schein

  • I.

    Filli schön und subtil
    Deine verliebten/ Und hochbetrübten
    Mit Gesang ich trösten wil …
  • I.

    Wolauff du Edle Lyr
    Laß Filli zu Ehren
    Dich abermal hören …
  • I.

    O Lufft/ du edles Element
    Führ hin mein Liedelein behend
    Mit seinen Hirtenschall …
  • II.

    Fraw Nachtigall
    Mit süssem Schall
    Mir bey der nacht …

All poems by Johann Hermann Schein →