Xiii.

German

XIII.
Du willst dich freventlich emanzipieren
Und aufstehn wider mich mit keckem Sinn,
Auf's eigne Fäustchen deine Wirtschaft führen,
Du schöne kleine Jakobinerin!?

Zur Politik nun auch dein Wörtlein sagen,
Aus trauter Kammer in den Ratsaal fliehn?
Wohl gar mit weicher Hand die Trommel schlagen,
Wann einst wir gegen die Tyrannen ziehn?

Berufest dich auf meine eignen Lehren
Von Freiheit, Gleichheit und von Menschenrecht?
O lass', mein Kind, mit Küssen dich belehren,
Dies Eine Mal errietest du mich schlecht.

Mir, mir, mein Schatz! mußt du dich nun verpflichten,
Dein Liebster und dein Herr ist für dich frei;
Auf ihn sollst du die blauen Augen richten,
Daß er allein dein siegreich Banner sei.

Die Ketten all', von denen ich entbinden
Die Völker möchte, o Geliebte mein!
Als Blumenketten eng dir umzuwinden,
Soll einzig dann mein Tun und Trachten sein.

Ein fest Gefängnis will ich dir erbauen
Von Rosen, Liljen, Myrten, duftend weich;
Draus sollst du nur des Himmels Sterne schauen,
Und mich, den Kerkermeister, froh und reich.

Ich will zur Kurzweil Wächterlieder singen,
Darinnen du dich lachend spiegeln magst;
In Liedern dir die Welt zu Füßen bringen,
Wenn über Einsamkeit du dich beklagst.

Doch wann die lieben Nachtigallen schlagen
Und wann das Abendrot verglommen ist:
Sollst du als Königin die Krone tragen,
So lange Luna ihre Bahn durchmißt. (S. 82-83)

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XIII.

Year Written: 
1806
Year Rounded: 
1 800
Poem StrLen Difference: 
0

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VI.
Wohl ist die Lilie wunderbar,
Wenn stolz sie sich im Garten wiegt,
In ihrem Kelche, sonnenklar,
Langsam der Morgentau versiegt;
Doch mag ich gehn und wandern,
So weit nur Lilien stehn,
Ist keine vor der andern
Mit höherm Schmuck versehn.

...

V.
Viele Wochen sind entflohn,
Seit ich Dich gesehen;
Hab' auch lange Tage schon
Keine Blum' gesehen!

Keine Blumen und kein Lieb -
Ach was soll das werden?
Was soll aus dem Frühlingstrieb
In mir innen werden?

Zwar noch stets der Lenz...

IV.
Nun in dieser Frühlingszeit
Ist mein Herz ein klarer See,
Drin versank das schwere Leid,
Draus verdampft das leichtre Weh.

Spiegelnd mein Gemüte ruht,
Von der Sonne überhaucht,
Und mit Lieb' umgießt die Flut,
Was sich in dieselbe taucht.

...

III.
Sitzt man mit geschloßnen Augen
Einsam in dem dunkeln Zimmer,
Blitzt oft durch die zarten Lider
Plötzlich roter Kerzenschimmer;
Weiß ich doch, daß Sonnenstrahlen
Durch die Augendeckel dringen
Und in flimmernden Gebilden
Sich um unsre Seele...

II.
Durch's Frührot zog das Wolkenschiff
vor einem hellen Frühlingstag,
Als ich, ein träumend Schülerkind,
im morgenstillen Felde lag;
Ein Falter streifte meine Stirn,
und vor mir eine Lilie stand;
Ich aber schaute drüber hin
in's tiefe, blaue...