Wiegendlied der Liebe

by Franz Hessel (1880–1941) · 1999 German

Ich trage dich stille
Geborgen an meiner Brust.
Des Lebens wilder Wille
Ist mir nicht mehr bewußt.

Kein Glück, daran ich hang,
Kein Schmerz, davor mir bang,
Fern liegen Leid und Lust.

Wie Blumen auf dem Feld
Blühen wir wunderbar.
Versunken ist die Welt -

Blume nur auf dem Feld,
Nur meines Blühens bewußt,
Trag ich dich immerdar
Geborgen in meiner Brust. (S. 41)
_____

More poems by Franz Hessel

  • Abschied

    Wir wollen von einander gehn,
    Du liebende, verweinte Braut.
    Wir sind nicht froh, wir sind nicht schön. …
  • Am Abend, da die Lüfte vergingen

    Am Abend, da die Lüfte vergingen
    Und atmeten, als könnten sies nicht fassen,
    Hast du die Hände beide mir gelassen, …
  • An Psyche

    Dich trugen Wogen wunderlich
    Geschwind und weich aus Sturz und Tod
    Herüber in das Uferschilf - …
  • Bahnhof

    Das ist der Raum von Stein und Stahl;
    Auf starren Eisenschienen steht
    Der schwarze Zug. An unser Herz …

All poems by Franz Hessel →