Wie ich Dich lieb'

by Gustav Kühne

Ich sollt' es nicht bei Tag, bei Nacht nicht sagen,
Der Sonne nicht und nicht den Sternen klagen,
Mein süßes Lieb,
Und faßt' ich auch das Firmament zusammen,
Ich spräch's nicht aus mit allen seinen Flammen:
Wie ich Dich lieb'.
Die Lerche jubelt's nicht in Morgenlüften,
Die Ros' erreicht es nicht mit ihren Düften,
Mein süßes Lieb,
Kein Veilchen kann's verstohlen heimlich sagen,
Die Nachtigall es nicht zu Ende klagen:
Wie ich Dich lieb'!
Kein Meer kann es in seiner Tief' ermessen,
Kein Sturmwind es dem Schooß der Welt erpressen,
Mein süßes Lieb,
Und faßt' ich es in hunderttausend Reime,
Und rief' ich's laut durch alle Himmelsräume:
Wie ich Dich lieb',
Kein Himmel würd's mit seiner Macht umfassen,
Die Sonne müßt' vor meiner Gluth erblassen,
Mein süßes Lieb.
Denn mehr als Stern und Blum' und Vogelsang,
Mehr als des Himmels weiter Sphärenklang,
Mein süßes Lieb,
Schließt in sich ein das kleine Menschenherz
Mit seinem heißen Drang in Lust und Schmerz:
Wie ich Dich lieb'! (S. 237-238)
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