Wie gerne dir zu Füßen

by Moritz Graf von Strachwitz

Sing ich mein tiefstes Lied,
Indes das heil'ge Abendgold
Durchs Bogenfenster sieht.
Im Takte wogt dein schönes Haupt,
Dein Herz hört stille zu,
Ich aber falte die Hände
Und singe: Wie schön bist du!

Wie gerne dir zu Füßen
Schau' ich in dein Gesicht!
Wie Mitleid bebt es drüber hin;
Dein Mitleid will ich nicht!
Ich weiß es wohl, du spielst mit mir,
Und dennoch sonder Ruh'
Lieg' ich vor dir und singe,
Singe: Wie schön bist du!

Wie gerne dir zu Füßen
Stürb' ich in stummer Qual!
Doch lieber möcht' ich springen empor
Und küssen dich tausendmal.
Möcht' küssen dich, ja küssen dich
Einen Tag lang immerzu
 Und sinken hin und sterben
Und singen: Wie schön bist du! (S. 88-89)
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