Wettstreit

by Georg Scheurlin (1802–1872) · 1858 German

Erd' und Himmel wollten rechten,
Wer im schönsten Schmucke glänze,
Und der Himmel ließ sich flechten
Um das Haupt die Sternenkränze,
Und den Bogen spannt' er kühn,
Hieß den Mond, die Sonne leuchten,
Und aus dunklem Schoß die feuchten
Perlen ließ er niedersprühn.

Und die Erde schuf nur Eines,
Daß den Himmel sie besiege,
Nur dein Auge, tief wie keines,
Und der reinsten Seele Wiege;
Während aller Sterne Pracht
Matt nur seinen Zauber spiegelt,
Liegt in seinem Blick entsiegelt
Erd' und Himmel, Tag und Nacht. (S. 131)
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