Wenn ich allein bin
[68] Wenn ich allein bin Wenn ich allein bin, werden meine Ohren lang, Meine, meine Pulse horchen bang Auf queres Kreischen, sterbenden Gesang Und all die Stimmen scheeler Leere.
Wenn ich allein bin, bohrt sich meine Schere, Die Nagelschere in die Zähne; Sielt höhnisch träge sich herum die Zeit. – Der Tropfen hängt. – Der Zeiger steht. –
Aufrührerisch in meine Einsamkeit. So sendet aus Meran die Tante Liese Mir tausend fromme, aufmerksame Grüße; Ein’ jeden einzeln sauber einpapiert,
Vierblätterklee und anderm Blumenschmuck – Ich aber rupfe das Gemüse Heraus mit einem scharfen Ruck, Zerknülle flüchtig überfühlend
Und fische giftig tauchend, wühlend, Aus all den Knittern und Rosetten Das einzige, was positiv: Zwei Mark für Zigaretten.
[71] In meiner Stube dünsten kalte Betten. Und meine Hoffart kuscht sich. Wie ein Falter Sich ängstlich einzwängt in die Borkenrinde. Wenn ich allein bin, dreht mein Federhalter
Bin ich allein: Starb, wie ein Hund verreckt, Hat mich ein fremdes Weib mit ihren Schleiern Aus Mitleid oder Ekel zugedeckt. Doch durch die Maschen seh ich Feste feiern,
Ich reiße auseinander meine Brust Und lasse steigen all die Vögel, die Ich eingekerkert, grausam dort gefangen, Ein Leben lang gefangenhielt, und nie
Wenn ich allein bin, pups ich lauten Wind. Und bete laut. Und bin ein uralt Kind. Wenn ich –