...als eine Reihe von guten Tagen

by Joachim Ringelnatz

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...ALS EINE REIHE VON GUTEN TAGEN

Wir wollen uns wieder mal zanken, Auf etwas hacken wie Raben, Daß unsre zufriednen Gedanken Eine Ablenkung haben.

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Wir wollen irgendein harmloses Wort

Entstellen, Dann uns verleumden und zum Tort Etwas tun; das schlägt dann Wellen. Wir wollen dritte aufzuhetzen

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Versuchen,

Dann unsere Freundschaft verfluchen, Einmal sogar ein Messer wetzen, Dann aber uns – in Blickweite – Auseinander zusammensetzen,

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Um superior jedem weiteren Streite

Auszuweichen; Mit dem Schwur beiseite: Uns nimmermehr zu vergleichen. Dann wollen wir, jeder mit Ungeduld,

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Ein paar Nächte schlecht träumen,

Dann heimlich eine gewisse Schuld Dem anderen einräumen, Dann lächeln, dann seufzen, dann stöhnen,

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Dann plözlich uns gründlich bezechen,
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Dann von dem vergänglichen, wunderschönen

Leben sprechen. Und dann uns wieder einmal versöhnen.

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